Die Uniform

Zeitgenössische Darstellung eines Bürgergardisten von Hanau 1848

 

Quellenlage

Die Mitglieder der Kirchhainer Bürgergarde sind unaufhörlich darum bemüht, das Aussehen des historischen Vorbildes zu erforschen und die heutige Darstellung dahingehend zu verbessern. Hierzu werden verschieden Quellen herangezogen. Sowohl schriftliches Material, wie z. B. aus dem Hessischen Staatsarchiv Marburg oder auch zeitgenössische Darstellungen und Originalexponate der Epoche werden ausgewertet und erforscht. Zu diesem Zweck hat der Verein schon zahlreiche Museen besucht, die noch über kurhessische Bürgergardeuniformen verfügen (Schoß Philippsruhe in Hanau, Schloss Friedrichstein in Bad Wildungen, Stadtmuseum Kassel, Landgrafenschloss Marburg u. a.).

Die zum Teil widersprüchlichen Quellen zeigen, dass die Uniformierung der Bürgergarden in ganz Kurhessen und über den gesamten Zeitraum von ihrer Gründung bis zu ihrem Ende nicht einheitlich war. So unterschieden sich die Uniformen je nach Finanzlage der Gemeinde oder nach dem Zeitpunkt der Aufstellung deutlich.  

Der bekannte Eschweger Maler Ernst Metz (1892-1973) hat zahlreiche Darstellungen des kurhessischen Militärs und der Bürgergarden geschaffen. Er stellte überwiegend die prächtige Uniform der Kasseler Bürgergarde dar, wobei er sich allerdings immer eine satirischen Überhöhung und karikaturistischen Darstellung in seinen Werken bediente. Daher können seine Bilder nur bedingt als Vorbild für das Aussehen der Kirchhainer Bürgergarde dienen.

Interessanter sind hingegen zeitgenössische Gemälde und Darstellungen, wie zum Beispiel in den Sammlungen der Museen in Bad Wildungen und Kassel (Stadtmuseum).

 

Gardist der neunten Kompanie der Bürgergarde Kassel (Stadtmuseum Kassel)

 

Die Armbinde

Als „wesentliches und ausschließliches Dienstabzeichen der Bürgergarde“ wurde nur „die weiße Binde mit roter Einfassung um den linken Arm“ und zwei karmesinroten Streifen für die Offiziere vorgeschrieben. So heißt es im Gesetzt von 1832. Eine Armbinde vertrat schon beim Landsturm von 1814 die Stelle der Uniform und gerade bei den Bürgergarden der Landgemeinden, wo man sich keine teuren Uniformen leisten konnte, machte die Armbinde an der Zivilbekleidung den Bürgergardisten kenntlich. Bei Auftritten der Kirchhainer Bürgergarde wird dies heute durch einige Mitglieder dargestellt, die Zylinder und zivile Fräcke mit besagter Armbinde tragen.

In Gemeinden, die mehrere Kompanien hatten, wie z. B. Marburg, wurde zusätzlich die Nummer der Kompanie auf der Armbinde geführt. Stabsoffiziere trugen zwei weitere Streifen auf der Armbinde, also neben der Einfassung insgesamt vier (siehe Bild):

 

Kommandeur und Stabsoffizier der Kasseler Bürgergarde (Stadtmuseum Kassel)

Die Uniform

Bürgergarde Hanau 1831

 

Wie aus den Archivalien hervorgeht, bestand die erste Uniformierung der kurhessischen Bürgergarden kurz nach ihrer Aufstellung, aus einem blauen Überhemd mit karmesinroten Kragen, einer schwarzen Wachstuchmütze mit kurhessischer Kokarde und der weißen Armbinde am linken Arm. Erst im Laufe der 1830er Jahre beschafften sich die Bürgergarden zweireihige, wollene Uniformröcke („Kutkas“), wie sie jetzt auch von dem Verein getragen werden. Das Marburger Bürgerbataillon trug schwarze Röcke, die anderen Städte der Provinz, also auch Kirchhain, hatten sich für dunkelblau entschieden. Der zweireihige Oberrock wurde vorne mit insgesamt 16 Knöpfen geschlossen. Bei Offizieren, wie bei Gardisten, war es sehr beliebt, die obern Knöpfe offen zu tragen und das Revers anzuknöpfen. Dadurch wurde das hellblaue oder rote Innenfutter sichtbar. An den hellblaupaspelierten Schoßtaschen hatte der Rock zwei Reihen a 3 Knöpfe.  Auch die spitzzulaufenden Ärmelaufschläge waren hellblau paspeliert.

 

 Originaluniform eines kurhess. Bürgergarde-Unteroffiziers (Landgrafenschloss Marburg)

 

Die Farbe des Kragens konnte von den Gemeinden gewählt werden, diese oblagen aber der landesherrlichen Genehmigung. Es wurde hierbei darauf geachtet, dass es nicht zu Verwechslungen mit dem Militär kommen konnte. In der Kirchhainer Chronik lesen wir, dass die Uniform „in der Hauptsache aus einem dunkelblauen Oberrock mit hellblauem Kragen und gleichmäßiger Kopfbedeckung bestand.“ (Grün, 1952) Auch die im Marburger Landgrafenschloss erhaltene Uniform hat diesen hellblauen Kragen, der in der Provinz Oberhessen weit verbreitet war.

Die zur Uniform vorgeschriebene dunkelgraue Tuchhose mit roter Paspelierung konnte aus Kostengründen nicht überall angeschafft werden. Vielfach taten es zivile Hosen oder solche aus weißem Leinen, die den Vorteil hatten, billig und pflegeleicht zu sein.

 

Hanauer Bürgergardisten auf Wache am Nürnbergertorhaus 1834. Auf dieser historisierenden Darstellung von Prof. Wilhelm Schultz ist neben dem weitverbreiteten Leder-Tschako deutlich zu erkennen, dass es bei der Hanauer Bürgergarde üblich war, den Uniformrock aufgeknöpft zu tragen. Die Weste kam so zum Vorschein, was der Uniform ein bürgerlich-ziviles Aussehen verlieh.

 

Der Tschako

Nachdem die von Kirchhain beantragten Tschakos als zu hoch und zu militärisch eingestuft worden waren, entschied man sich damals zunächst für mit Wachstuch überzogene Mützen.

Die bis zuletzt geführten und in ganz Kurhessen getragenen Tschakos waren von mittlerer Höhe und von schwarzem Leder, das beweisen die zahlreichen erhaltenen Originalstücke in Marburg, Kassel und Hanau. Sie hatten die Form einer Schirmmütze und waren mit einem an einer Messingrosette befestigten Kinnriemen versehen. Letztere wurde gerne hochgeschlagen und um die Nationale und den Feder- oder Roßhaarstutz gelegt getragen.
Dieser hohe „Stutz“ hatte bei der Infanterie die hessischen Farben (ROT-WEISS), bei den Hoboisten und Trommlern ROT. In den Residenzstädten war er BLAU-WEISS oder bei den Jägerkompanien GRÜN. Berittene Bürgergarde-Kompanien trugen den Roßhaar-Stutz in langen Haaren vom Tschako herab (Original im Landgrafenschloss Marburg).
Wesentlicher Zierrat waren die weiß-rote Nationale, ein Oval am oberen Ende der Kopfbedeckung, und die Kokarde. Sie war ebenfalls kurhessisch-weiß-rot, wurde allerdings zur Zeit des Paulskirchenparlaments (1848/49) gegen die Bundeskokarde, schwarz-rot-gold, ausgetauscht. Die bis zum Ende der Bürgergarden getragenen Originale, die in den oben genannten Museen zu finden sind zeigen noch heute diese Kokarde.
Aller anderer Zierrat, der sonst beim Militär üblich war, wie wollene Fangschnüre, waren verboten, um so eine Verwechslung mit dem Militär zu vermeiden, bzw. um den „militärspielenden Bürgern“ nicht unnötig Bedeutung zuzubilligen.

 

Original-Tschako der berittenen Bürgergarde Marburg, mit Roßhaar und der bis zu letzt getragenen schwarz-rot-goldenen Bundeskokarde. Rechts: Tschako der Bürgergarde Hanau.

 

Die Dienstgrade

Eine Kompanie hat: einen Hauptmann, einen Oberleutnant und einen oder zwei Unterleutnants, nach Verhältnis der Stärke, einen Feldwebel, einen Sergeanten, einen Fourier, sodann je auf zehn Mann einen Unteroffizier, zwei Trommelschläger oder zwei Hornisten.“ - so heißt es in § 33 des Gesetzes die Bürgergarden betreffend vom 23. Juni 1832.

Kirchhain war als Kreisstadt nicht nur Standtort einer Bürgergardekompanie, sondern auch Sitz des Bataillonskommandeurs des 16. Bürgergardebataillons. Dieser wird auch heute durch die Kirchhainer Bürgergarde dargestellt. Er trägt nicht den Tschako, sondern einen Zweispitz mit Hahnenfedern sowie goldene Epauletten mit Kantillen.

Die Schulterstücke der gemeinen Gardisten waren Epauletten aus roter Wolle mit hellblau paspelierter langer Zunge.

Die Unteroffiziere trugen die selben Epauletten und hatten zusätzlich breite schrägverlaufende Tressen an den Unterarmen (siehe Originaluniform in Marburg).

 

Bild

Holzschnitt von E. Metz / Uniformen der heutigen Bürgergarde; v.l. ein Gardist, der Major und Kommandeur und ein Oberleutnant

 

Der Unterleutnant (Second-Lieutenant) trug Epauletten, die im Gesetz unter § 53 wie folgt beschrieben wurden: „das Blatt von Tuch (ROT) mit goldenen Tressen an beiden Seiten oben ohne Tresse, außerdem mit einer gedrehten goldenen Raupe, in Form eines halben Mondes."

Der Oberleutnant (Premier-Lieutenant) hatte Epauletten, die denen des Unterleutnants entsprachen, allerdings ein geschlossenes Tressenfeld hatten („dieselben, jedoch auch oben mit einer Tresse“).

Der Hauptmann (Kapitän) trug Epauletten die im Gesetz wie folgt beschrieben werden: „eine goldene Platte, Raupe wie die Lieutenants.

In Städten mit mehreren Kompanien wurden die jeweiligen Kompanienummern auf den Epauletten aufgelegt.

 

Originalepauletten (v. l.) der Gardisten, eines Unterleutnants und eines Hauptmanns. Letzte der ersten Kassler Bürgergardekompanie (Schlossmuseum Marburg).