Das Kurhessische Staatswappen von Ernst Metz

 

„Von Gottes Gnaden Wir Wilhelm der II. Kurfürst und souveräner Landgraf von Hessen, Großherzog von Fulda, Fürst zu Hersfeld, Hanau, Fritzlar und Isenburg, Graf zu Catzenelnbogen, Dietz, Ziegenhain, Nidda und Schaumburg etc. etc. ...“

So begannen die allerhöchsten Erlasse und Verordnungen in jener Zeit. Die Titel darin wiesen auf die Erwerbungen neuer Gebietsteile im Laufe der Jahrhunderte hin, deren früher selbstständig geführte Wappenbilder dann, - symbolisch für ihre Besitzergreifung und Eingliederung, - im großen Wappenschild bildlich-heraldisch mit anderen zusammengefaßt, wiedergegeben wurden.

Das Schild des „Großen Hessischen Staatswappens“ ist in dreimal drei gleichgroße kleine Wappenschilde aufgeteilt, von denen das mittlere jeweils in der oberen und unteren Reihe nochmals geteilt ist, so daß im ganzen vierzehn verschiedene Wappenbilder den Hauptschild füllen. Anzumerken ist, daß in der Heraldik rechts und links vom Wappenträger aus angenommen werden, also genau entgegengesetzt bezeichnet werden.

 

  1. Der wichtigste dieser Kleinschilde, in der Mitte des großen Wappenschildes gelegen und „Herzschild“ genannt, zeigt das eigentlich sehr alte hessische Stammwappen mit dem silbernen, fünfmal rotgestreiften, goldgekrönten und schwerthaltenden, nach rechts schreitenden Löwen im blauen Feld.

  2. Das „rechte Obereck“: ein eingepfähltes, facettiertes schwarzes Kreuz in silbernem Feld. (Für das Großherzogtum Fulda, - seit 1815/16.)

  3. „Ortsstelle“ (Mitte oben) geteilt:
    a) der obere Teil quadriert, wodurch vier Rechtecke entstehen: 2 und 4: drei übereinander gesetzte, nach oben gespitze rote Sparren in goldenem Feld (Für das Fürstentum Hanau, seit 1736.) 1 und 3: vier rote Balken auf goldenem Feld (Für die Grafschaft Reineck.) Der Herzschild darin von gold und rot quergeteilt. (Für die Herrschaft Münzenberg, - seit 1736.)
    b) In gold: ein rechts schreitender, blaugekrönter Löwe. (Für die Grafschaft Catzenelnbogen, seit 1479, 1800 verloren.)

  4. Linkes Obereck (rechts): ein rotes Doppelkreuz (erzbischöfliches-lothringisches Patriarchenkreuz) in silbernem Felde. (Für das Fürstentum Hersfeld, seit 1648.)

  5. Rechte „Hüftstelle“: von schwarz und gold horizontal geteilt; im schwarzem Felde ein sechsstrahliger silberner Stern. (Für die Grafschaft Ziegenhain, seit 1437.)

  6. Linke „Hüftstelle“: von schwarz und gold horizontal geteilt; im schwarzem Felde nebeneinander zwei achtstrahlige, silberne, - nicht facettierte – Sterne. (Für die Grafschaft Nidda.)

  7. Rechtes „Untereck“: ein goldenes Kreuz in blauem Felde. (Für das Fürstentum Fritzlar, seit 1803.)

  8. „Fersenstelle“ (unten Mitte): horizontal geteilt
    a) oberes Feld: zwei übereinander nach rechts schreitende goldene Leoparden in rot. (Für die Grafschaft Diez (Doppelgrafschaft), seit 1479 -1557.)
    b) unteres Feld: ein horizontal geteiltes Schildchen, oben silber – unten rot – in rotem Feld umgeben von drei Teilen eines zerlegten Nesselblattes, zwiwischen denen drei silberne Nägel vom Kreuz Christi in das Schildchen eingespießt sind. (Für die Grafschaft Schaumburg (Schauenburg) an der Weser, seit 1648.)

  9. Linkes „Untereck“: zwei horizontal parallel übereinanderliegende schwarze Balken im silbernen Felde. (Für die Grafschaft Isenburg-Wächtersbach und Isenburg-Birstein, seit 1816/18.)